Im Gespräch mit Rainer Seele, CEO OMV

Wenn Sie zurückblicken auf Ihr erstes Jahr als CEO der OMV – was haben Sie erreicht, worauf sind Sie stolz?
Es geht nicht um mich, bei uns kommt es darauf an, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, egal ob im Vorstand oder am Empfang, ob im In- oder Ausland, gemeinsam anpacken, um die OMV auf Basis unserer Strategie zukunftsfit zu machen. Und das tun wir alle. Ich spüre eine starke Aufbruchsstimmung im Haus, wir ziehen an einem Strang und das ist gerade in wirtschaftlich fordernden Zeiten entscheidend.

Welche Eigenschaften bzw. Kompetenzen braucht Ihrer Meinung nach ein Top-Manager eines großen Konzerns wie OMV?
Die Basis ist bestimmt ein gewisses Maß an Durchsetzungskraft. Ohne Mut zu unbequemen Wegen kann man sich den Herausforderungen eines großen Konzerns nicht stellen. Und schließlich sind es die Mitarbeiter, die ein Unternehmen am Leben erhalten und deren Begeisterung man wecken muss.

Was kennzeichnet Sie als Mensch? Was hat Sie geprägt?
Ich würde mich als bodenständigen, kreativen Menschen beschreiben. Als Forscher habe ich einen gewissen Grad an Einfallsreichtum mitbringen müssen. Das hat auch meine spätere Laufbahn stark beeinflusst. Und ich arbeite unglaublich gerne mit anderen zusammen, habe Spaß an meiner Arbeit und wünsche mir, dass es anderen auch so geht.

Wie gefällt Ihnen das Leben in Wien?
Wien ist nicht umsonst die lebenswerteste Stadt der Welt. Ich habe leider noch nicht alles erkunden können, aber diese Stadt ist nun mal was Architektur, Kultur und Gastfreundschaft betrifft einzigartig.

Woher kommt Ihr Interesse für Lyrik?
Lyrik hat mich schon früh interessiert. Bereits in meiner Kindheit habe ich mit Hingabe zum Beispiel Weihnachtsgedichte gelernt.

Was treibt Sie persönlich in Ihrer Arbeit an? Wie motivieren Sie sich selbst ständig aufs Neue?
Ich arbeite einfach gern und habe gerne Erfolg. Besonders motivieren mich schwierige Situationen, die Gestaltungswillen verlangen.

Wie begegnen Sie der Herausforderung, die Interessen des Unternehmens, der Aktionäre, der Mitarbeiter und der breiteren Öffentlichkeit in Einklang bringen zu müssen?
Die Interessen werden immer in einigen Punkten unterschiedlich sein, das ist gut so und auch völlig normal. Der gemeinsame Nenner ist der wirtschaftliche Erfolg, der uns allen Freude bereitet.

Was sind die derzeit größten Herausforderungen?
Die OMV steht aktuell vor drei großen Herausforderungen. Zum einen der Verbesserung der Professionalisierung und dem damit verbundenen Kostensenkungsprogramm, der Umsetzung unserer neuen Unternehmens-Strategie und zum anderen der finanziellen Stabilisierung durch die Restrukturierung des OMV Portfolios.

Welchen Stellenwert hat Governance bei der OMV?
Naturgemäß den höchsten!

Welche Auswirkungen könnten sich durch den Brexit auf die OMV ergeben?
Wir wissen noch nicht einmal, wann der Brexit kommt und wie er rechtlich ausgestaltet sein wird. Unsicherheit ist aber auf jeden Fall etwas, das die Märkte nicht leiden können.

Wie wird sich die Industrie verändern und welche Maßnahmen setzen Sie, um das Unternehmen für die Zukunft vorzubereiten?
Als Energieunternehmen müssen wir uns verstärkt den ökologischen Herausforderungen stellen. Die OMV wird dann erfolgreich und krisenresistent sein, wenn sie entlang der gesamten Wertschöpfungskette gut aufgestellt ist. Daran arbeiten wir.

Wo sehen Sie die OMV in 25 Jahren?
Ich sehe einen integrierten Konzern mit einer durchgängigen Wertschöpfungskette. Darüber hinaus wird unser Erdgasanteil steigen, ebenso der Anteil höher veredelter Produkte in der Petrochemie.

Juli 2016