Im Gespräch mit Georg Pölzl, CEO Post

Sie führen seit rund sieben Jahren die Österreichische Post. Wenn Sie zurückblicken – was haben Sie erreicht, worauf sind Sie stolz?
Ich bin stolz darauf, ein so tolles Unternehmen mit so vielen ausgezeichneten Mitarbeitern zu führen. Wir haben gemeinsam viel erreicht in den letzten Jahren, wir haben das Unternehmen einem Strukturwandel unterzogen, uns intensiv mit Innovation beschäftigt und immer den Kunden in den Mittelpunkt unserer Überlegungen gestellt.

Sie kommen aus der extrem dynamischen Telekom-Branche. Was hat Sie daran gereizt, zur vergleichsweise altmodisch anmutenden Post zu wechseln?
Auch am Post- und Logistikmarkt herrscht eine sehr dynamische Entwicklung. Durch den Rückgang im Briefgeschäft und der wachsenden Konkurrenz am Paketmarkt sind wir getrieben, uns immer weiterzuentwickeln und sozusagen neu zu erfinden. Die Post ist ein spannendes Unternehmen, wir sind die österreichischen Nummer eins in Sachen Geschwindigkeit, Qualität und Serviceorientierung, und das zu bleiben sehe ich als meinen Auftrag.

Welche Eigenschaften bzw. Kompetenzen braucht Ihrer Meinung nach ein Top-Manager eines Unternehmens wie der Post?
Man muss zuhören können und braucht eine gute Menschenkenntnis. Denn nur mit guten Menschen um sich herum, kann man ein Unternehmen erfolgreich leiten.

Was kennzeichnet Sie als Mensch? Was hat Sie geprägt?
Ich stehe für gelebte Kooperation, Offenheit, Transparenz sowie den Ruf, meine Versprechen zu halten. Auch braucht es eine gewisse Hartnäckigkeit, um beruflich weiterzukommen.

Was treibt Sie persönlich in Ihrer Arbeit an? Wie motivieren Sie sich selbst ständig aufs Neue?
Mich fasziniert vor allem die Vielfältigkeit meines Aufgabenbereichs, die Herausforderungen mit denen die Post tagtäglich konfrontiert ist und die vielseitigen Gestaltungsmöglichkeiten, die der Job mit sich bringt. Auch macht es mir Spaß, mit einem so hervorragenden Team zu arbeiten.

Sie haben eine Art Management-Ratgeber mit „111 Konzepten, die Sie kennen sollten“ geschrieben. Welche Ansätze halten Sie für ein Unternehmen mit Staatsbeteiligung – also ein Unternehmen, an dem de facto Herr und Frau Österreicher beteiligt sind – für besonders wichtig?
Gutes Management basiert für mich auf den Säulen Strategie, Organisation und Menschen. Das heißt, es braucht die richtige Strategie im richtigen Kontext mit den richtigen Menschen.

Wie begegnen Sie der Herausforderung, die Interessen des Unternehmens, der Aktionäre, der Mitarbeiter und der breiteren Öffentlichkeit in Einklang bringen zu müssen?
Es müssen sowohl die Zahlen als auch die Service und Qualität für unsere Kunden stimmen, das muss Hand in Hand gehen. Ein Unternehmen wie die Post, deren Kunden alle Österreicher sind, ist nur erfolgreich, wenn man service- und kundenorientiert handelt. Wir versuchen daher bei all unseren Entscheidungen alle Stakeholder mitzudenken.

Was sind die derzeit größten Herausforderungen?
Sinkende Umsätze im Briefgeschäft, ein schwieriges Umfeld im Werbe- und Paketmarkt sowie steigende Personalkosten fordern uns, treiben uns aber auch an, das Unternehmen stetig neu und zukunftsfit auszurichten.



Woran erkennt man den Stellenwert, den Governance bei der Post hat?
An guten Führungspersönlichkeiten und motivierten Mitarbeitern sowie einer spürbaren Weiterentwicklung des Unternehmens hin zu einem hochqualitativen Rundum-Service-Dienstleister.

Wie wird sich die Post verändern und welche Maßnahmen setzen Sie, um das Unternehmen für die Zukunft vorzubereiten?
Die Reise geht sicherlich noch weiter in Individualisierung und Kundenorientierung. Wir sehen das Bedürfnis der Kunden so schnell und bequem wie möglich an ihre Sendung zu kommen. Wir bieten unseren Kunden bereits heute schon einen ganzen Strauß an Zustelllösungen und ermöglichen ihnen die Interaktion mit ihrer Sendung. Auch das Thema 24/7-Lösungen bauen wir weiter aus. Ein weiteres zentrales Thema ist auch (Daten-)Sicherheit.

Wo sehen Sie die Post in 25 Jahren – angesichts der elektronischen Substitution?
Wir sind in einer Phase, in der wir über viel Neues nachdenken und vieles ausprobieren. Ich betrachte Veränderung prinzipiell als etwas Gutes. Entscheidend bei jeder Veränderung ist es, die Mitarbeiter mitzunehmen und sich gemeinsam neuen Herausforderungen zu stellen. Was in 25 Jahren ist, kann heute schwer prognostiziert werden. Entscheidend ist, sich frühzeitig mit neuen Geschäftsfeldern, Bedarfslösungen und Trends auseinanderzusetzen, diese zu bewerten und entsprechend anzugehen.