Im Gespräch mit Christian Böhm, Vorstand APK Pensionskasse

Sie sind seit über 25 Jahren Vorstand der APK Pensionskasse, haben das Unternehmen also mitbegründet – wie hat sich die APK und auch das Umfeld in dieser Zeit verändert?
Und was konnten Sie in dieser langen Zeit bewirken?

Die APK hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1989 wirklich markant verändert. Aus einem Start-up wurde eine etablierte und international renommierte Einrichtung der betrieblichen Altersvorsorge mit einem Veranlagungsvolumen von ca. 5 Mrd. Euro. Damit gilt die APK Pensionskasse als Wegbereiter für das Pensionskassenwesen in Österreich. Sie hat mit dem Modell der sogenannten beitragsorientierten Pensionskassenzusage („defined contribution pension plan“) aber auch in Europa für Aufmerksamkeit gesorgt, da die APK eine der ersten Altersvorsorgeeinrichtungen europaweit war, die dies anbieten konnte.
Gleichzeitig hat sich das Umfeld für einen institutionellen Investor – wie wir es sind – in diesem Zeitraum massiv gewandelt.  Die Dynamik auf den Kapitalmärkten ist enorm gestiegen, die Komplexität in den Veranlagungsentscheidungen hat sich dramatisch erhöht.  Makroökonomische Entwicklungen spielen eine noch bedeutendere Rolle in der Veranlagungsstruktur und in der Allokation der veranlagten Mittel.
Rückblickend muss man aber festhalten: Während vor 25 Jahren die Notwendigkeit einer zusätzlichen kapitalgedeckten Altersvorsorge in Österreich noch in Frage gestellt wurde, hegt heute kaum jemand Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer Pensionskassenregelung.

Welche Eigenschaften bzw. Kompetenzen braucht Ihrer Meinung nach ein Manager einer Pensionskasse?
Aus meiner Sicht ist eine unverzichtbare Kompetenz im Finanzbereich, die Übersicht zu bewahren – auch oder gerade in Zeiten, wo sich Ereignisse überstürzen. Außerdem ist es wichtig, kommende Veränderungen möglichst früh zu antizipieren und dabei nicht jedem „Modetrend“ zu folgen. Und nicht zuletzt stellt die direkte Kommunikation mit dem Kunden ein ganz wesentliches Element dar. Dabei muss man den Aspekt der Langfristigkeit der Verpflichtungen trotz der Schnelligkeit von Entwicklungen auf den Finanzmärkten vermitteln können.

Was kennzeichnet Sie als Mensch? Was hat Sie geprägt?
Ich habe schon in jungen Jahren durch Funktionen als Klassen- und Schulsprecher gelernt, Ver-antwortung zu übernehmen. Ich denke, das hat mich geprägt. Außerdem war ich in der Schulzeit Leistungssportler. Da spielen Ehrgeiz und Disziplin eine große Rolle. Aber man lernt auch, wie wichtig Teamfähigkeit und individuelle Motivation für den Erfolg sind. Und das hab ich versucht, später als Trainer in der Betreuung von jungen Sportlern umzusetzen.

Was treibt Sie persönlich in Ihrer Arbeit an? Wie motivieren Sie sich selbst stets aufs Neue?
Ich konnte mir auch in der langen Zeit als APK-Vorstand Wissensbegierde und Interesse an den beruflichen Themen erhalten. Das ist zweifellos eine sehr wichtige Triebfeder. Die Interaktion mit unseren Stakeholdern aus den verschiedensten Bereichen motiviert mich ebenso. Und selbstverständlich die Verantwortung gegenüber unseren Kunden.

Sie sind ein begeisterter Schwimmer – ist das Ihr Weg um abzuschalten oder nützen Sie das Abtauchen, um in Ruhe über Herausforderungen nachzudenken?
Für den Schwimmsport benötigt es Ausdauer. Dabei gelingt es gut abzuschalten und neue Ideen zu finden.  Und nicht zuletzt: Sportliche Betätigung ist gut für das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit.

Was fasziniert Sie an der Pensionskassen-Branche?
Es ist die Verantwortung für die Zukunft, die mit diesem Thema in enger Beziehung steht. Die Branche steht auch sinnbildlich für die „Brücke“ zwischen der sogenannten Realwirtschaft und dem Finanzwesen: Aus Investitionsentscheidungen einer Pensionskasse leiten sich künftige Pensionsansprüche ab. 

Was sind die derzeit größten Herausforderungen für die APK?
Das aktuelle makroökonomische Umfeld mit dem historisch sehr niedrigen Zinsniveau stellt uns tatsächlich vor große Herausforderungen. Da gilt es angemessen zu reagieren. Damit einhergehend werden die regulatorischen Anforderungen immer umfangreicher.

Wie wichtig ist Ihnen Governance bei der APK?
Das Thema „Corporate Governance“ wurde international von Pensionskassen als institutionelle Anleger vorangetrieben.  Daher ist eine adäquate „Governance“-Struktur für eine Pensionskasse institutionell vorgegeben. Die österreichischen Rechtsnormen („two board system“) und Spezialbestimmungen im Pensionskassengesetz bilden hier eine durchaus gute Grundlage. Das Zusammenspiel zwischen Aufsichtsrat und Vorstand der APK Pensionskasse ist jedenfalls ein Beispiel für eine positiv umgesetzte Praxis von „Good Corporate Governance“.

Wie wird sich die Pensionskassenbranche verändern? Welche Maßnahmen setzen Sie, um das Unternehmen für die Zukunft vorzubereiten?
Für Österreich wird es wichtig sein, dass sich der Verbreitungsgrad von Pensionskassenregelun-gen weiter erhöht. Um die APK Pensionskasse selbst zukunftsfit zu halten, müssen wir uns per-manent Veränderungsprozessen stellen. Dazu ist die richtige Auswahl und Weiterentwicklung der MitarbeiterInnen ein wichtiger Faktor.  Eine offene und innovationsbereite Unternehmenskultur ist eine weitere Grundvoraussetzung.

Wo sehen Sie die APK in 25 Jahren?
Es ist schwierig, eine Prognose für einen so langen Zeitraum zu wagen, aber ich glaube: Die APK Pensionskasse wird noch deutlich größer sein als heute.

Mai 2017