Im Gespräch mit Alejandor Plater, CEO & COO Telekom Austria Group

Sie sind jetzt bereits über ein Jahr an der Spitze der Telekom Austria – was ist Ihr erstes Resümee?
Die Telekom Austria Group  ist ein Unternehmen mit enormem Potential und sehr engagierten Mitarbeitern. Entsprechend dem Motto „Save to invest“ lag der Fokus im ersten Jahr auf dem Thema Kostenreduktion. Das bedeutet für uns sparen, um in Innovation, die Entwicklung von Kompetenzen und herausragende Infrastruktur investieren zu können. Das müssen wir machen, um das Unternehmen für die digitale Zukunft entsprechend gut zu positionieren. Die ersten Maßnahmen, wie zum Beispiel die Etablierung des neuen, vielfältigen Leadership Teams oder den Aufbau des „Digital Business“ Bereichs haben wir bereits getätigt, aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns.

Welche Eigenschaften bzw. Kompetenzen braucht Ihrer Meinung nach ein Top-Manager eines großen österreichischen Leitbetriebs mit internationaler Ausrichtung?
Wir müssen uns unbedingt mit den Veränderungen, die um uns passieren, auseinandersetzen. Heute ist unser Business den unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt und Innnovationen passieren in einer solchen Geschwindigkeit, dass es schwierig ist, die Zukunft voraus zu sagen. Führungskräfte müssen daher sehr agil und offen für Veränderungen sein und sich schnell an neue Umgebungen anpassen können. Manager müssen auch verstehen, dass das Scheitern in unserer Branche eine Option ist. Ich glaube nicht, dass man ein exzellenter Manager ist, nur weil man nicht scheitert - sondern dass man nicht innovativ genug war. Wie auch immer, scheitern darf man in geringem Ausmaß und schnell, deshalb müssen wir auch eine Unternehmenskultur etablieren, wo man über solche Probleme offen sprechen kann. Sonst tendieren die Mitarbeiter dazu, Probleme zu verheimlichen - dadurch vergrößert sich jedoch das Ausmaß des Scheiterns. Ein Unternehmen kann man nicht leiten, in dem man großartig scheitert, aber auch nicht, wenn man nicht ab und zu im kleinen Rahmen scheitert.

Die Führungsprinzipien, an die ich glaube, basieren auf meinen bisherigen Erfahrungen:
Erstens Drive, um die schnelllebige Industrie, in der wir uns befinden, mitgestalten zu können. Wir als Unternehmen müssen noch schneller agieren, wendiger sein, uns ständig neu erfinden und unsere Arbeitsweise an die sich ständig ändernde Umwelt anpassen.
Zweitens Diversity, um möglichst viele unterschiedliche Fähigkeiten nutzen zu können. Das bedeutet Vielfalt im Hinblick auf  Geschlecht, beruflichen Hintergrund und verschiedene Erfahrungen. Wir haben ein Leadership Team gegründet, das aus Kollegen aus sieben unterschiedlichen Nationalitäten besteht und wo mehr als zwanzig Sprachen gesprochen werden.
Und drittens Digitalization, um das Unternehmen in die digitale Zukunft zu transformieren, in eine Welt, wo gerade mehrere Revolutionen stattfinden: Artificial Intelligence, Internet-of-Things, wie ich es gerne bezeichne, die „Sensoren Revolution“ und drittens die Transformation in die „Cloud“ - und das alles unter dem Dach von Big Data und Analytik.

Was kennzeichnet Sie als Mensch? Was hat Sie geprägt?
Menschen charakterisieren mich als selbstreflektierend, sach- und zukunftsorientiert und als Teamplayer. Geprägt haben mich sicherlich meine vielen Stationen und die unterschiedlichen Kulturen. Aufgewachsen bin ich in Argentinien, meine erste Berufserfahrung habe ich in den USA gesammelt. Außerdem habe ich auch in Brasilien, Mexiko und Schweden gearbeitet. Die schwedische Lebensweise hat mich maßgeblich beeinflusst, nicht nur weil ich dort etliche Jahre für ein schwedisches Unternehmen gearbeitet habe, sondern auch, weil ich mit einer Schwedin verheiratet bin und meine beiden Kinder Schweden sind. Das ist auch der Grund, warum ich so viel Wert auf Teamwork und Vielfältigkeit lege, beides durch das Leadership Team ermöglicht. Man muss ein Team formieren, das sich ergänzt. Wir alle haben Stärken und Schwächen. Als gute Führungskraft musst du das Team entsprechend zusammenstellen. Dadurch werden Diskussionen in Gang gesetzt und mehr 360° Blicke auf Probleme geworfen. Auch sind wir alle voreingenommen und uns dessen nicht einmal bewusst – es ist eine unbewusste Voreingenommenheit. Dadurch versuchen wir, Probleme immer und immer wieder in der gleichen Art zu lösen. Diese Voreingenommenheit müssen wir überwinden, um uns weiter zu entwickeln und das funktioniert nur in einem vielfältigen Team. 

Wie gefällt Ihnen das Leben in Wien?
Wien ist, wie Studien besagen, eine wenn nicht die lebenswerteste Stadt der Welt. Das kann ich nur unterstreichen! Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl hier.

Was treibt Sie persönlich in Ihrer Arbeit an? Wie motivieren Sie sich selbst stets aufs Neue?
Teamwork und Lernen motivieren mich. Und ich bin demotiviert, wenn ich Teil eines nicht funktionierenden Teams bin. Normalerweise ist ein Team brüchig, wenn es kein Vertrauen gibt, Konfliktvermeidung herrscht und wenn es verabsäumt wird, Verantwortung zu übernehmen oder sich nicht auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Was fasziniert Sie an der Telekom-Branche?
Ich bin begeistert von der Dynamik der Branche und auch davon, wie oft wir schon die Zukunft falsch vorher gesagt haben. Niemand sagte Smartphones oder OTT voraus. Aber genauso sehe ich auch die Wichtigkeit unserer Branche für die digitale Zukunft. Auf der einen Seite Artificial Intelligence, auf der anderen Seite Internet of Things und dazwischen sind wir mit unserem wichtigsten Asset, der Konnektivität. Das bedeutet nicht, dass ich Konnektivität als einzige Funktion von Telekom Austria sehe – ich sehe Telekom Austria als wichtigen Spieler in der Digitalisierung der Gesellschaft, aber Konnektivität ist und wird immer eines unserer wichtigsten Assets bleiben.
Unsere größte Herausforderung ist, Veränderung zuzulassen und zu anzunehmen. Veränderung wird bleiben und wird in Zukunft noch schneller stattfinden. Ich hätte gerne, dass Telekom Austria ein klein wenig wie Google wird: flexibler, agiler, schlanker und weniger bürokratisch und formell. Eines ist klar, die Welt und die Telekom Branche werden massiven Veränderungen ausgesetzt werden, mit oder ohne uns.

Das Unternehmen, die Aktionäre, die Mitarbeiter und auch die breitere Öffentlichkeit haben unterschiedliche Interessen und Wünsche an die Telekom Austria. Wie bringen Sie diese in Einklang?
Das ist eine besondere Situation und eine spannende Herausforderung, der ich mich gerne stelle und wo ich auch gerne dazu lerne. So unterschiedlich die Interessen der einzelnen Stakeholder auch sind, gibt es doch einen gemeinsamen Nenner, der alle eint: Wir müssen das Unternehmen für die Zukunft fit machen und uns gut aufstellen.

Was sind die derzeit größten Herausforderungen für die Telekom Austria?
Wie auch Unternehmen in anderen Branchen müssen wir uns den Herausforderungen der digitalen Zukunft stellen. Unsere Konkurrenz sind nicht mehr nur die Telekommunikationsunternehmen dieser Welt sondern die OTT Player wie Apple, Facebook, Google und Amazon. Und ja, wir müssen ein bisschen mehr Google werden. Ich möchte das Unternehmen fit für die Zukunft machen und das bedeutet vor allem neue Geschäftsfelder, neue Geschäftsmodelle, neue Sichtweisen sowie andere Skills und neue Arbeitsweisen. Denn eines ist klar: Die Welt und mit ihr die Telco-Industrie wird sich massiv verändern. Das wird mit oder ohne uns passieren.

Welchen Vorteil hat die Telekom Austria als Partner von América Móvil?
AMX hat bereits viel in die Telekom Austria investiert, damit das Unternehmen ein relevanter Player am europäischen Markt werden kann - mit einem starken Europa-Headquarter in Österreich.
Der erste Vorteil ist, AMX in unserem Aufsichtsrat zu haben. Wir haben den Luxus, dass es ein sehr erfahrenes Telekom Expertenteam in unserem Aufsichtsrat gibt, das Diskussionen über die strategische Ausrichtung sehr bereichert. Zweitens hilft uns die Einkaufsmacht von AMX, unsere Ausgaben dramatisch zu reduzieren, und drittens sind wir in der Lage, AMX Produkte und Services rasch auf den Markt zu bringen und unsere ursprünglichen Investitionskosten zu senken. So können wir schneller und mit einem geringeren Risiko innovativ werden  

Wie wird sich die Telekommunikationsbranche verändern? Welche Maßnahmen setzen Sie, um das Unternehmen für die Zukunft vorzubereiten? Wo sehen Sie die Telekom Austria Group in 25 Jahren?
Die Welt wird gerade digitalisiert, jeder Prozess, den man digitalisieren und in die „Cloud“ verschieben kann, wird entsprechend gestaltet sein. Ich glaube, das ist nur Teil einer größeren Veränderung: nämlich dem Übergang zu „Shared Economy“, wo wir zukünftig weniger besitzen und mehr teilen werden. Dafür gibt es bereits etliche Beispiele, AirBnB, Lending Club, RelayRides, Lyft und viele mehr. „Cloud“ und Digitalisierung sind ebenfalls Teil dieser Entwicklung. Man denke nur daran, wieviel Rechnerleistung des Computers wir täglich nützen, oder wie viele Stunden oder Minuten wir unseren PC täglich verwenden. Wäre es nicht besser, nur eine kleine Rechnerleistung im PC zu haben und jene Leistung, die man tatsächlich benötigt, von einem Shared Computer zu beziehen?
Deshalb haben wir den Bereich „Digital Business“ etabliert, um Unternehmen und Privatkunden in der Phase des Übergangs zur digitalen Welt zu unterstützen, durch eine Kombination bestehend aus erstklassiger Konnektivität, einer breiten Palette an „Cloud“ Diensten und Betreuung durch one-stop Shops.