Ein Jahr ÖBIB: Positive Zwischenbilanz

24.06.2016

Neuorganisation abgeschlossen – Gesetz mit Leben erfüllt, Unternehmensstruktur gestrafft, neue Aufgaben und Rollen erfolgreich übernommen

IHS-Studie attestiert ÖBIB und Beteiligungsunternehmen große Bedeutung für die Volkswirtschaft – EUR 7,9 Mrd. Wertschöpfung, 102.800 Beschäftigte

Internationale Governance-Expertin Perrine Dutronc als Speakerin bei der ÖBIB:

Mangelnde Corporate Governance für prominente Unternehmens-Flops verantwortlich – Gute Implementierung entscheidend für finanzielle Performance und Innovationskraft

Wien. Die Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (ÖBIB) zieht rund ein Jahr nach der Neuorganisation eine positive Zwischenbilanz. „Das ÖBIB-Gesetz legte neue Maßstäbe, definierte geänderte Ziele sowie Aufgaben und markierte somit einen Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens“, resümiert Generalsekretärin Martha Oberndorfer. „Ziel der Umwandlung von der ÖIAG in die ÖBIB war es, eine Gesellschaft zu formen, die sich in erster Linie den Interessen aller österreichischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler verpflichtet fühlt. Sie sollte und soll die Beteiligungen des Bundes mit dem Fokus auf nachhaltige und langfristige Wertschaffung managen.“

„Fünfzehn Monate nach Inkrafttreten des ÖBIB-Gesetzes können wir mit Fug und Recht sagen: Es ist gelungen, das rechtliche Rahmenwerk mit Leben zu erfüllen“, zeigt sich Oberndorfer überzeugt. „Wir konnten maßgebliche Schritte im Sinne unseres Auftrags setzen und so den Nutzen der ÖBIB unter Beweis stellen.“

Die ÖBIB sieht sich heute in zwei Rollen. Auf der einen Seite haben die ÖBIB-ExpertInnen das Beteiligungsmanagement mit Fachkenntnis und Kapitalmarkt-Know-how umzusetzen. Auf der anderen Seite serviciert die ÖBIB die vom Bund nominierten Aufsichtsräte und auch die Regierung selbst. „In puncto Beteiligungsmanagement belegen zwei Beispiele, dass wir da einen guten Job gemacht haben. In dem mehrere Monate dauernden Bieterwettstreit um die Casinos Austria-Anteile haben wir umsichtig agiert und können uns heute darüber freuen, dass die Casinos-Anteile der Republik Österreich um ein Drittel an Wert zugelegt haben. Ebenfalls positiv und für die heimische Wirtschaft von Signalwirkung ist die Verlängerung des Syndikatsvertrags mit dem zweiten OMV-Kernaktionär, dem Staatsfond IPIC aus Abu Dhabi. Auch da konnten wir mit unserem Know-how zum Verhandlungserfolg beitragen.“


Exzellente ExpertInnen für Aufsichtsräte der Unternehmen

Ebenso können sich die Aufsichtsrats-Nominierungen dieses Zeitraums aus Oberndorfers Sicht durchaus sehen lassen. „Uns wird von vielen Seiten attestiert, dass exzellente Expertinnen und Experten durch das Nominierungskomitee als Aufsichtsräte für die Unternehmen gewonnen werden konnten. Das Instrument dieses Beirats hat sich also bewährt. Das Nominierungskomitee macht seine Vorschläge auf Basis eines objektiven Kriterienkatalogs und vereint Sichtweise und Strategie der Regierung mit dem Know-how international geachteter Wirtschaftsvertreter.“

Die Aufsichtsräte selbst serviciert die ÖBIB mit fachlichem Know-how und Branchenanalysen, aber auch mit Inputs aus globalen Trends. So sprach erst vor wenigen Tagen die international renommierte Corporate Governance-Expertin Perinne Dutronc, Managing Director Inflection Point Capital, im Rahmen einer Aufsichtsratsveranstaltung. Sie ließ dabei mit markanten Fakten aufhorchen.

Perrine Dutronc: Corporate Governance relevant für finanzielle Performance

Aus Perrine Dutroncs Sicht leidet der internationale Kapitalmarkt unter zwei strukturellen Schwächen. Zum einen tendieren Manager dazu, ihre eigenen Interessen zu priorisieren. Zum anderen werden langfristige Perspektiven vernachlässigt. So ergab eine McKinsey-Studie, dass 55% der CFOs eine wertsteigernde Investition ablehnen würden, wenn damit das Verfehlen von Quartalszielen verbunden wäre. Diese Schwächen könnten nach Dutronc rasch zu substanziellen Risiken werden, und sie empfiehlt auf Corporate Governance als wirkungsvolle Gegenstrategie zu setzen.

Die Bedeutung von Governance unterstreicht sie mit einer Hermes IM-Studie aus 2014, wonach Unternehmen mit schwachen Governance-Bewertungen im MSCI World Index unterdurchschnittlich abschneiden. Und sie nennt einige prominente Beispiele, bei denen sie ein Governance-Versagen ortet – so etwa VW, Enron, Parmalat, Tepco, GSK, Olympus, Siemens oder Toshiba.

„Good Governance hat fünf Faktoren zu berücksichtigen“, erläutert Dutronc, „Unabhängigkeit des Aufsichtsrats; Diversität bei Fähigkeiten, Erfahrung und Perspektive; ein etabliertes Management; Vergütung; Finanzwesen.“ Besonderen Fokus legt sie auf Diversität und fasst diesen Begriff weiter als er oftmals verstanden wird. „Diversität umfasst Geschlecht und Ethnie, aber auch Erfahrung. Kulturelle Unterschiede zu kennen hilft etwa dabei, auf anderen Märkten erfolgreich zu sein.“

Diversität beflügelt nach ihrer Erfahrung die Innovationskraft, indem „outside the box“-Ideen gehört und zugelassen werden. Zudem treffen diverse Gruppen bessere Entscheidungen. Somit fördert Diversität auch Marktwachstum.

Ein ebenso großes Anliegen sind Dutronc weibliche Führungskräfte. Sie ist überzeugt, dass der Frau-enanteil in Aufsichtsräten und Managementteams in direktem Zusammenhang mit einer besseren finanziellen Performance steht. Und sie belegt diese Aussage mit zwei Erhebungen – Credit Suisse Gender 3000 (September 2014) und MSCI ESG Research „Women on Boards“ (November 2015). Dabei gehe es jedoch nicht darum, die Geschlechter gegeneinander auszuspielen, betont Dutronc, sondern die unterschiedlichen Zugänge für Entscheidungsprozesse zu nützen.

In Summe sieht Dutronc Corporate Governance als „Mechanismus für die Entwicklung einer langfristigen und nachhaltigen Strategie“. Gemeint sei damit aber nicht, langfristige Entscheidungen „in Stein zu meißeln, sondern langfristige Perspektiven zu bedenken, ohne in früheren Sichtweisen steckenzubleiben.“

IHS-Studie zeigt maßgebliche Effekte auf österreichische Volkswirtschaft

Um die Bedeutung der ÖBIB und ihrer neun Beteiligungsunternehmen für die österreichische Volks-wirtschaft wissenschaftlich fundiert und aktuell aufzeigen zu können, ließ die ÖBIB die ökonomischen Wirkungen vom Institut für Höhere Studien (IHS) analysieren.  Als Untersuchungsmethode wurde das vom IHS entwickelte multiregionale Input-Output-Analyse-Modell herangezogen. Es bildet die Verflechtungen der Wirtschaft ab und zeigt die Effekte auf Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung, Arbeitsplätze und fiskalische Bereiche auf.

Die Ergebnisse weisen der ÖBIB und ihren Beteiligungsunternehmen eine beachtenswerte Rolle zu: Die durch die ÖBIB und ihre Beteiligungsunternehmen ausgelöste Wertschöpfung liegt bei rund EUR 7,9 Mrd. im Jahr 2015. Der Anteil am österreichischen Bruttoinlandsprodukt macht EUR 8,7 Mrd. oder 2,6% des gesamten BIP aus. Die Zahl der Beschäftigten beträgt in Summe 102.800 – das entspricht 2,48% aller Arbeitsplätze in Österreich im Jahr 2015. Der Beitrag zu Steuern und Abgaben beläuft sich auf
EUR 5,0 Mrd., das sind 3,4% aller öffentlichen Abgaben. Fast die Hälfte dieser Zahlungen fließen an den Bund, rund ein Viertel entfällt auf die Sozialversicherung.  

Zusätzlich profitieren – neben dem eigentlichen Wirkungsbereich der ÖBIB-Beteiligungs-unternehmen, die zum Gutteil österreichische Leitbetriebe sind – auch andere Sektoren der heimi-schen Wirtschaft. So generiert der Sektor Grundstücks- und Wohnungswesen eine Bruttowertschöp-fung von EUR 477,6 Mio., gefolgt vom Sektor Großhandel mit EUR 431,9 Mio. und dem Sektor Unter-nehmensführung und -beratung mit EUR 247,4 Mio. Gemessen an den Arbeitsplätzen ziehen der Großhandel mit 4.395 Beschäftigten (Vollzeitäquivalente) und der Einzelhandel mit 3.826 Beschäftigten großen Nutzen.

Details siehe Präsentation

Kontakt
Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (ÖBIB)
Dr. Martha Oberndorfer
Tel: +43 (0) 1 / 711 14-701
Mail: martha.oberndorfer[at]oebib.gv.at

asoluto
Mag. Brigitte Mühlbauer
Tel: +43 676 619 95 94
Mail: brigitte.muehlbauer[at]asoluto.com  

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