Was früher 2 Jahre gedauert hätte ist plötzlich in 2 Monaten passiert!

Thomas Arnoldner ist seit 2018 CEO der Telekom Austria Group. Seine berufliche Laufbahn begann er 2003 bei Alcatel Austria. Er hat jahrelange Erfahrung im Umgang mit internationalen Konzernen, erst bei Telekomausrüster Alcatel-Lucent, dann bei Nokia und zuletzt bei T-Systems Austria. Das Gespräch führte das ÖBAG-Redaktionsteam. 

ÖBAG-Redaktion: Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Unternehmen und gibt es Learnings, die man aus der Krise ziehen kann?

Thomas Arnoldner: Die Krise hat deutlich gemacht welche zentrale Rolle die Digitalisierung für Wirtschaft und Gesellschaft spielt. Wie hätten wir die Krise vor 10, 20 Jahren gemeistert, ohne die Möglichkeiten von Home Office, Distance Learning oder eCommerce? Wir haben in den letzten Monaten einen Digitalisierungsschub erlebt, den wir sonst nie so gesehen hätten – was früher zwei Jahre gedauert hätte ist plötzlich in zwei Monaten passiert. Zugleich haben wir aber gesehen, dass wir in vielen Bereichen in punkto Digitalisierung noch besser werden können, etwa im Bildungsbereich oder im Gesundheitswesen. Diese Themen müssen wir angehen, denn Digitalisierung macht uns auch für die die Zukunft krisenfester. Generell haben wir wieder gesehen, dass Technologie uns auch bei der Krisenbewältigung ungemein helfen kann. Dieses Bewusstsein müssen wir stärker verankern.

Die Krise hat natürlich auch auf unser Geschäft Auswirkungen gezeigt. Einerseits erleben wir gerade eine starke Reduktion des Roaming-Geschäfts, da Urlauber und Geschäftsreisende fast gänzlich wegfallen. Die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie ist evident und erschwert unseren Planungsprozess – wir fühlen uns aktuell manchmal fast als Hobby-Epidemiologen. Auf der anderen Seite sehen wir starke Nachfrage nach digitalen Produkten, etwa für Home Office Lösungen, die künftig sicher stärker genutzt werden. Wir konnten viele Kunden bei der Digitalisierung ihrer Prozess oder auch ganz einfach bei der Anbindung ihrer Unternehmensstandorte schnell unterstützen. Wir erkennen gerade in diesem Bereich ein Umdenken vieler Kunden, es gibt insgesamt eine höhere Priorisierung der digitalen Transformation. Auch Privatkunden tendieren jetzt verstärkt dazu, digitale Kanäle zu nutzen, etwa bei der Verlagerung von Käufen von physischen Shops hin zur Website. Das ist ein Trend, auf den wir glücklicherweise sehr gut vorbereitet waren. Unser Netze haben die zusätzliche Last während der Krise sehr gut gemeistert – das unterstreicht einmal mehr unseren Qualitätsanspruch.

Das Führen in der Krise hat sich auch verändert. Der persönliche Austausch fällt weg, die schnelle Abstimmung zwischendurch gibt es nicht. Es haben sich bei uns nun einige Regeln entwickelt, die uns helfen. Wir drehen zum Beispiel jetzt viel öfter die Kamera des Laptops auf und reden wirklich Face-to-Face. Auch in größeren Gruppen funktioniert das erfreulich gut. Wir setzen mittlerweile sehr stark auf tägliche Standup-Meetings, die nur kurz dauern, aber allen Beteiligten ein sehr klares Bild der Aufgaben und Arbeitspakete liefern. Ich glaube, dass wir sehr viel, das wir jetzt praktizieren, auch noch nach der Rückkehr zur Normalität weiterführen werden. Aber es war natürlich gerade zu Beginn eine große Umstellung quasi übers Wochenende die Organisation komplett zu drehen. Dass unser Unternehmen trotzdem so gut funktioniert, macht mich besonders stolz.

ÖBAG-Redaktion: Die A1 Telekom Austria Group hat 25 Mio. Kunden in 7 Ländern. Wie funktioniert in der Krise die Kommunikation und Zusammenarbeit?

Thomas Arnoldner: Offene Kommunikation hatte im Unternehmen schon seit jeher einen hohen Stellenwert, gerade in Krisenzeiten wird sie noch viel wichtiger. Wir informieren unsere MitarbeiterInnen sehr regelmäßig via E-Mail über den aktuellen Stand der Dinge und die nächsten Schritte. Wir nutzen auch unser unternehmensinternes Social Network noch intensiver für live Chats und Video Talks, die sehr gut ankommen. Darüber hinaus haben wir von Anfang an mit einer Reihe interner und externer Experten gemeinsam Leitfäden und Richtlinien erarbeitet, die es unseren MitarbeiterInnen ermöglichen, nicht nur gut und produktiv im Homeoffice zu arbeiten, sondern auch im Kundenkontakt, in den Shops zum Beispiel oder bei den Kunden-Technikern, auf ihre Gesundheit zu achten. Mittlerweile haben wir, glaube ich, jeden Geschäftsfall, jeden Prozess und jedes Team nach bestem Wissen und Gewissen „krisensicher“ gemacht.

ÖBAG-Redkation: Wie hat sich Ihr Alltag mit der Krise geändert? Was nehmen Sie aus dem Lockdown – Stichwort Teleworking – mit?

Thomas Arnoldner: Das morgendliche „Hallo, wie geht’s“ im Aufzug fehlten genauso, wie die Möglichkeiten, sein Gegenüber schneller einzuschätzen, weil man sich halt im Meeting gesehen hat. Nach mehr als 10 Wochen Homeoffice haben wir aber gelernt, wie man effizient auch über lange Zeit im Homeoffice produktiv arbeiten kann. Ich bin davon überzeugt, dass das Homeoffice in Zukunft gleichbedeutend wie die Office-Präsenz gesehen wird – nicht nur bei uns, sondern auf breiter Front in der Wirtschaft. A1 hat bereits seit Jahren Homeoffice gefördert, aber auch für uns war es eine vollkommen neue Erfahrung, dass fast alle für mehrere Wochen remote arbeiteten. Homeoffice und Homeschooling gleichzeitig waren und sind dabei noch eine besondere Herausforderung. Da läuft bei uns schon einmal ein Kind durch die Videokonferenz oder wird ein Call durch Fragen zur Hausübung unterbrochen – das ist ganz natürlich und mittlerweile einfach normal. Auch unsere Prozesse haben nicht von Beginn an reibungslos funktioniert. Aber, und das macht mich unheimlich stolz auf mein Team: Jede und jeder MitarbeiterIn im Homeoffice gibt nicht nur sein Bestes im Job, sondern auch sein Bestes in der Weiterentwicklung seiner Aufgabe, hin zu vollständig remote funktionierenden Prozessen. Diese Entwicklung, als Projekt umgesetzt, hätte kein Unternehmen der Welt erfolgreich geschafft. 

Thomas Arnoldner, CEO der A1 Telekom Austria über seine Learnings aus der Krise.
Österreichische Beteiligungs AG